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Zitat:Reaktionen aus der Wirtschaft
Finanzpaket "ist ein Gamechanger"


Stand: 04.03.2025 22:09 Uhr

Union und SPD haben sich bei ihren Gesprächen auf ein umfassendes Finanzpaket geeinigt. Aus der Wirtschaft kommen lobende Worte. Ökonomen sehen die Pläne als wichtigen Schritt raus aus der Rezession - doch es gibt auch Kritik.

Die Einigung von Union und SPD auf ein milliardenschweres Finanzierungspaket stößt in der Wirtschaft auf Zustimmung - etwa bei führenden Ökonomen. "Die Einigung der Sondierer ist ein Gamechanger, ein wuchtiges und gutes Paket", sagte der Professor für International Economics an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Jens Südekum, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), hofft auf einen Konjunkturschub: "Wenn das so gelingt, dann dürfte die Stagnation der deutschen Wirtschaft jetzt schnell überwunden sein", sagte er. "Deutschland ist wieder wirtschaftlich und militärisch handlungsfähig."



"Glaubwürdiges Signal in die Privatwirtschaft" nötig

Die Einigung sieht unter anderem vor, dass alle Verteidigungsausgaben oberhalb von einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts bei der Berechnung der Schuldenbremse ausgenommen werden. "Ein extrem wichtiger Schritt für die Sicherheit in Deutschland und Europa", sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Moritz Schularick.

Es sei sinnvoll, die Verteidigungsinvestitionen teilweise von der Schuldenbremse auszunehmen. "Es macht den Staat auch in künftigen Krisen handlungsfähig." Südekum fügte hinzu: "Die Freistellung der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse erlaubt einen dauerhaften Aufbau der militärischen Fähigkeiten."

Zudem soll ein neues Sondervermögen von 500 Milliarden Euro für Infrastrukturausgaben für die Dauer von zehn Jahren geschaffen werden. "Was jetzt wichtig ist: Das viele Geld muss auch tatsächlich auf die Straße kommen und in die richtigen Projekte fließen", sagte Südekum.

Im Infrastrukturbereich müsse das Sondervermögen von einer Beschleunigung der Genehmigungsverfahren begleitet werden. "Insgesamt geht es darum, ein glaubwürdiges Signal in die Privatwirtschaft zu senden, dass der Staat jetzt Ernst macht mit der Investitionsoffensive", sagte der Wissenschaftler. "Nur dann werden Bau- und Handwerksbetriebe ihre Kapazitäten aufstocken."



IG Metall sieht ein gutes Signal

Es sei der Union hoch anzurechnen, dass sie erkannt habe, wie massiv die Schuldenbremse der deutschen Wirtschaft geschadet habe, betonte IMK-Direktor Dullien. Sie habe jetzt pragmatisch nach Lösungen gesucht.

Südekum warnte jedoch davor, dass im Verteidigungsbereich das Geld nicht für veraltete Ausrüstung ausgegeben werden dürfe. Stattdessen müsse neueste Technik im Vordergrund stehen. "Dann sind die technologiepolitischen Impulse und auch die Wachstumseffekte viel stärker", sagte der Ökonom.

IG-Metall-Chefin Christiane Benner wertete die schnelle Einigung derweil als gutes Signal für die kommende Zeit: "Das angekündigte Sondervermögen, die angekündigten Maßnahmen zeigen: Die Politik hat verstanden, dass jetzt schnell und beherzt gehandelt werden muss." Investitionen in technische und industrielle Infrastruktur, Sicherheit und Verteidigung dürften aber nicht zulasten von Sozialleistungen gehen.

"Alles in allem befindet sich Europa inmitten eines historischen Wandels. Die Entwicklungen der letzten Tage haben die wahrscheinlich nächste deutsche Regierung zu einem historischen Schritt veranlasst, indem sie ein Steuerpaket ankündigte, das endlich den Beginn besserer Jahre für die Wirtschaft markieren könnte", kommentierte auch ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski.



Wirtschaftsweise Grimm warnt vor sinkendem Reformdruck

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm äußerte dagegen Kritik an den Plänen von Union und SPD. "Der Reformdruck wird massiv sinken", sagte das Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der dpa. Es sei eine "extrem riskante Wette", den Reformbedarf durch Verschuldung immer weiter hinauszuschieben. Das Vorgehen der potenziellen Koalitionäre überzeuge nicht.

Zwar sei eine schnelle Steigerung des Verteidigungsbudgets notwendig, so Grimm. "Jetzt braucht man aber auch eine Strategie, wie man die Wehrhaftigkeit tatsächlich stärkt."

Weiter sagte die Ökonomin, die Schuldenbremse gehöre nun der Vergangenheit an. "Die Maßnahmen sind inkompatibel mit den europäischen Fiskalregeln - hier soll ja nur eine Ausnahme für Verteidigungsausgaben auf EU-Ebene beschlossen werden. Für den Rest dürfte Deutschland daher keine Spielräume haben. Wenn Deutschland die Regeln nun missachtet, dürften auch in Europa die Schulden steigen - was mit erheblichen Risiken einhergeht."

Deutschland lebe seit Jahren über seine Verhältnisse, so Grimm. "Die Regierungen unter Angela Merkel haben die Friedensdividende aufgebraucht, etwa für Ausweitungen der Sozialausgaben, und seitdem es die Friedensdividende nicht mehr gibt, nimmt jede neue Regierung einen großen Schluck aus der Pulle und vermeidet so eine Anpassung unserer Staatsausgaben an das Wachstumspotenzial. Wir stagnieren und es ist nicht klar, ob die Regierung es schafft, das Wachstum zurückzubringen. Der Schluck aus der Pulle wird immer größer."


https://www.tagesschau.de/wirtschaft/kon...r-100.html
Jetzt schaun wir mal was da tatsächlich kommt - die Grünen könnten ja blockieren.
Zitat:Zahl der Milliarden-Start-ups seit 2020 mehr als verdoppelt

Fr, 07.03.25 15:04

Techbranche
Berlin (dpa) - Von der Gründung zur Milliardenfirma in wenigen Jahren: In der deutschen Techbranche gelingt vielen Firmen ein rasanter Aufstieg. Die Zahl der Start-ups mit Milliardenwert hat sich innerhalb von fünf Jahren mehr als verdoppelt. Das geht aus Daten des Startup-Verbands hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.

Demnach gab es Ende 2019 noch 11 Start-ups, die in Finanzierungsrunden mit mindestens einer Milliarde Euro bewertet wurden und nicht börsennotiert sind. Ende 2024 waren es bereits 28 solcher Firmen, die im Branchenjargon Einhörner oder Unicorns genannt werden. Der Rekordwert von 2023 mit 34 Unicorns wurde allerdings verfehlt.

Zu den wertvollsten Start-ups in Deutschland gehören aktuell der Fernbusbetreiber Flix, der KI-Übersetzungsdienst DeepL, der Neobroker Trade Republic, die Rüstungsfirma Helsing, die Softwarefirma Celonis und die Smartphone-Bank N26. Zuletzt flossen im Boom um Künstliche Intelligenz (KI) und Rüstung besonders große Summen von Investoren.

«Die Zahl der Unicorns in Deutschland und Europa ist in den letzten Jahren stetig gewachsen - ein Beweis für unsere Innovationskraft», sagte Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands.

«Wäre früher undenkbar gewesen»
Hendrik Brandis, Co-Gründer des Wagniskapitalgebers Earlybird, verweist auf den technologischen Fortschritt. «Grund für die steigende Zahl an Unicorns sind technologische Innovationen, darunter KI und Cloud-Computing, die sich exponentiell beschleunigen.» Dieser technologische Wandel werde am Kapitalmarkt honoriert. «Früher wäre es undenkbar gewesen, innerhalb von fünf Jahren Unicorn-Status zu erreichen.»

Europa und Deutschland seien bei innovativen Geschäftsmodellen auf die Landkarte gerückt. «Das zeigen beispielsweise das KI-Unternehmen Aleph Alpha, die Raketenfirma Isar Aerospace oder das Kernfusions-Start-up Marvel Fusion.»

«Geld konzentriert sich auf große Player»
«Die Zahl der Unicorns wächst, obwohl die Bewertungen vor fünf Jahren viel euphorischer waren», erläutert Brandis. «Das Geld konzentriert sich zudem in schwierigen Zeiten auf die großen Player, die sich bereits bewiesen haben.»

In der Corona-Pandemie hatten Start-ups von einem Digitalisierungsboom und niedrigen Zinsen profitiert. Seither sind die Zinsen gestiegen, viele Wachstumsfirmen kamen in Geldnot. Einige Start-ups strichen Jobs, andere meldeten Insolvenz an wie der Elektroflugzeugbauer Lilium.

Oft vom Ausland abhängig
Auch Sicht von Verbandschefin Pausder bleiben trotz der steigenden Zahl von Unicorns große Baustellen für die Techbranche: Fehlendes Kapital und mangelnde Möglichkeiten für Investoren, gewinnbringend aus Start-ups auszusteigen («Exits»). «Deutsche Start-ups sind auf dem Weg zum Global Player oft auf außereuropäisches Kapital angewiesen.»

Daher sei mehr privates Kapital vor allem von Großinvestoren nötig und mehr Exit-Möglichkeiten wie Unternehmenskäufe und Börsengänge. Denn mit Exits werde Investorengeld frei und könne in neue Start-ups fließen, sagte Pausder. Viele europäische Techunternehmen ziehe es aber zum Börsengang in die USA, was enorme Wertschöpfungsverluste verursache. «Börsengänge müssen daher bei uns schleunigst attraktiver werden.»

Viele deutsche Start-ups kommen zwar in der frühen Wachstumsphase an Geld, bei großen Summen geht aber meist wenig ohne amerikanische Investoren. Hierzulande werden rechnerisch 90 Euro pro Einwohner in Wagniskapital investiert, in den USA (510 Euro) sind es laut Startup-Verband fast sechsmal so viel. Er sieht eine jährliche Finanzierungslücke von rund 30 Milliarden Euro. Großanleger wie Versicherungen dürfen aber nur beschränkt in Wagniskapital investieren und konzentrieren sich auf Staatsanleihen.

Brandis von Earlybird bringt einen anderen Weg ins Spiel, um große Investoren stärker für Wagniskapital zu gewinnen. «Eine Lösung wäre es, einen Dachfonds mit staatlicher Bürgschaft aufzulegen, der mindestens ein zweistelliges Milliardenvolumen hat.»

Techbranche langfristig im Aufwärtstrend
Unbestritten ist aber, dass der Gründerstandort Deutschland langfristig große Fortschritte gemacht hat. Auch hat sich das Finanzierungsumfeld mit sinkenden Leitzinsen verbessert, stellt die Förderbank KfW fest, die eine Initiative von Konzernen für mehr Wagniskapital koordiniert. 2024 sammelten deutsche Start-ups laut Beratungsgesellschaft EY gut sieben Milliarden Euro Wagniskapital ein, knapp eine Milliarde mehr als im Vorjahr.

Auch die Wahrnehmung in der Politik habe sich geändert, beobachtet Brandis. «Das Thema Wagniskapital ist auf der Agenda der Politik angekommen. Sie hat verstanden, dass Venture Capital fundamental wichtig ist. Das war vor drei Jahren noch nicht so.» Es bleibe aber viel zu tun: «Die Umsetzung, was Förderinitiativen anbelangt, ist zu zaghaft und bisher nur ein Tropfen auf den heißen Stein.»
Ausnahmsweise mal Dank an die Grünen, dass die zumindest vorerst dem 500-Mrd-Sozen-Wahnsinn nicht zustimmen.
(10.03.2025, 13:51)minenfuchs schrieb: [ -> ]Ausnahmsweise mal Dank an die Grünen, dass die zumindest vorerst dem 500-Mrd-Sozen-Wahnsinn nicht zustimmen.

Was mir aufgefallen ist, dass das Militärbudget oberhalb von 1% aus der Schuldenbremse heraus genommen werden soll. Das kann man aber nicht mit der aktuellen Situation begründen, da ja 2,5% schon vorher fest stand. Die Koalition in spe will sich also Spielraum verschaffen. Den Grünen wird's aber mehr um Zusagen zum Klimaschutz gehen.

Was ich finde. Wenn wir wirklich auf dem Pfad der Schweiz mit der Schuldenbremse wandeln wollen, sollte wir uns auch wirtschaflich mehr mit der Schweiz vergleichen. Machen wir aber nicht. Wir vergleichen uns i.d.R. mit den USA (oder haben wir bis die Zollpolitik kam). Die machen aber kontinuierlich höhere Schulden, das passt nicht. Ich finde wir bräuchten einen langfristigen Finanzierungsplan der bis nach der Überwindung der demografischen Probleme reicht. Und da würde ich bis zur Überwindung des "Rentnerhochs" einen höheren Schuldenstand zulassen, der danach wieder zurückgeführt wird. Das würde für mich Sinn ergeben.
Zitat:Personalmangel im Mittelstand: Ein Drittel bangt um Existenz

Di, 11.03.25

Demografischer Wandel
Frankfurt/Main (dpa) - Der Fachkräftemangel setzt vielen Mittelständlern in Deutschland schwer zu - bis hin zu großen Existenzsorgen. Knapp 60 Prozent der mittelständischen Unternehmen erwarten nach einer Umfrage der Förderbank KfW in den kommenden fünf Jahren Probleme bei der Besetzung offener Stellen. Ein Drittel (33 Prozent) der Firmen sieht wegen des Arbeitskräftemangels mittel- bis langfristig sogar die Existenz in Gefahr. «Besonders kleine Unternehmen äußern diese Sorge», schreibt die KfW.

Demnach sehen 39 Prozent der befragten Mittelständler in Ostdeutschland mittel- bis langfristig den Fortbestand ihres Unternehmens wegen Arbeitskräftemangels bedroht. Im Westen sind es 31 Prozent. Am größten sind die Sorgen im Baugewerbe: 10 Prozent der Befragten gaben hier an, sie sähen ihre Existenz daher mittel- bis langfristig «auf jeden Fall» und weitere 29 Prozent «eher» bedroht.

Insgesamt planen von Personalmangel betroffene Unternehmen, weniger Aufträge anzunehmen oder Produktion, Öffnungszeiten und Erreichbarkeit einzuschränken, heißt es in der repräsentativen KfW-Umfrage, an der im September 2.494 Unternehmen teilnahmen.

Höhere Gehälter und flexiblere Arbeitszeiten
Fast acht von zehn Unternehmen, die in den kommenden fünf Jahren mit Problemen bei der Stellenbesetzung rechnen, wollen demnach ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern. 67 Prozent geben an, die Löhne sehr wahrscheinlich oder wahrscheinlich zu erhöhen. 59 Prozent möchten Arbeitszeit oder -orte flexibilisieren und 53 Prozent verstärkt Weiterbildungsangebote anbieten.

Dagegen planen mit 22 Prozent nur wenige Mittelständler, Kinderbetreuungsangebote auszubauen. Die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte erwägen 25 Prozent.

«Angesichts des umfassenden demografischen Wandels werden die Anstrengungen der Unternehmen alleine nicht ausreichen, um die drohenden Engpässe auf dem Arbeitsmarkt zu beheben», sagte KfW-Ökonomin Elisabeth Grewenig. Die Politik müsse Ausbildungsangebote stärken. «Denn zu viele junge Menschen haben zurzeit keinen Berufsabschluss.» Zudem müsse die betriebliche Weiterbildung ausgebaut werden.
https://www.comdirect.de/inf/news/detail...de1&RANGE=
Die einen haben keinen Berufsabschluss und die anderen machen Büro. Dann bleibt dann wohl für Arbeit keiner mehr übrig.
Zitat:hintergrund
Zukunftsfragen für die Industrie
Wohin steuert Deutschland bei Mobilität und Strom?


Stand: 16.03.2025 15:17 Uhr


Zitat:Video
https://www.tagesschau.de/multimedia/vid...44228.html


Es gibt unterschiedliche Ansätze, wie in den nächsten Jahren die Energieversorgung und die Mobilität gestaltet werden sollen. Es sind wichtige Entscheidungen: Elektro- oder Verbrenner-Autos? Atomstrom oder Erneuerbare Energien?

Von Michael Houben, hr

In Deutschland wurde er erfunden, in Deutschland wurde er perfektioniert: der Verbrenner. Doch schon bald könnte die Erfolgsgeschichte ein Ende haben. Denn ab 2035 dürfen in der EU keine neuen mit fossilem Diesel oder Benzin betankten Pkw mehr zugelassen werden. Eine Ausnahme von diesem Verbot soll es für E-Fuels geben - mit denen dürften die Verbrenner weiterhin fahren.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hält von dem Verbot wenig: "Wir wollen keine Verbotsdebatte, sondern wir wollen eine Debatte darüber, wie man die Ziele erreichen kann", sagt Simon Schütz vom VDA im Gespräch mit plusminus und meint damit die Klimaziele. Dabei betont er auch: "Es wird Gebiete auf dieser Welt geben, wo man den Verbrenner noch länger fährt."


75 Prozent der deutschen Autos werden exportiert

Das impliziert auch: Solange im Rest der Welt noch mit fossilen Brennstoffen gefahren wird, sollten deutsche Hersteller damit Geld verdienen dürfen. Schließlich werden rund 75 Prozent aller in Deutschland gebauten Autos exportiert - unter anderem nach China. Bisher machten die Deutschen mit ihren luxuriösen und margenträchtigen Verbrennern dort gute Geschäfte. Nun laufen die Geschäfte für deutsche Autobauer in Asien deutlich schlechter - ein Verbrennerverbot im Reich der Mitte ist dafür aber nicht der Grund.

Stattdessen erobern chinesische Hersteller den Markt - laut VDA liegt das aber vor allem an hohen Subventionen. "Und die Unternehmen dort starten als E-Auto-Hersteller, während unsere Unternehmen den Wandel stemmen von Verbrennungsfahrzeugen zu E-Autos", so Simon Schütz.

Bei deutschen Autobauern würden die Gewinne aus den Verbrennermodellen diese Transformation finanzieren - die Verbrenner verdienen also das Geld, um E-Autos zu bauen. Das dürfe Politik nicht abwürgen, so Schütz. Außerdem seien klimaneutrale Kraftstoffe eine Chance für den Verbrenner. Nach heutigem Stand sind die extrem teuer, sagt auch der VDA-Vertreter. Trotzdem fragt er: "Wieso soll man diese Chance denn nicht nutzen, wieso soll man nicht den Markt entscheiden lassen?"


Verbrennerverbot in Äthiopien

Bisher sind die Deutschen bei Kauf von E-Autos zurückhaltend: 2024 waren laut europäischem Branchenverband ACEA 13,4 Prozent aller neu zugelassenen Autos sind hierzulande rein elektrisch. Andere Länder sind da weiter: In Österreich und Frankreich waren es im vergangenen Jahr rund 17 Prozent, in den Niederlanden 34,7 Prozent und in Norwegen sogar 88,9 Prozent. Diesel und Verbrenner machten dort nur noch rund drei Prozent der Neuzulassungen aus.

Und nicht nur in wohlhabenden Ländern vollzieht sich in der Mobilität gerade ein Wandel: Selbst ein armes Land wie Äthiopien hat schon vor einem Jahr die Einfuhr von Verbrennern verboten. In dem ostafrikanischen Land dürfen nur E-Mobile neu zugelassen werden, mit der Begründung, dass im eigenen Land erzeugter Ökostrom viel billiger sei als teure Ölimporte.


Forderung: Infrastruktur ausbauen

Auch in Deutschland gibt es Stimmen, die ein Verbrennerverbot unterstützen. Etwa Petra Schäfer, Professorin an der Fachhochschule Frankfurt, die schon angesichts der Industriegeschichte für das Verbot ist: "Vor 150 Jahren waren die deutschen Unternehmen bei der Umstellung auf die Gaslaternen ganz vorne mit dabei. Dann wurde umgestellt auf elektrisches Licht und wieder waren die deutschen Unternehmen vorne mit dabei", sagt sie und betont: "Hier zählt Schnelligkeit."

Kein Land habe das elektrische Licht schneller eingeführt als Deutschland. So wurden deutsche Firmen wie Siemens und AEG Weltmarktführer. Doch heute zögert Deutschland, während andere vorangehen. Etwa China, wo bereits mehr als 50 Prozent aller Neuwagen E-Autos sind, während die Entwicklung in Deutschland zu langsam sei. Petra Schäfer betont, dass die Politik die richtigen Weichen stellen müsse, um wieder Schnelligkeit zu fördern.

"Dazu gehört in erster Linie der Ausbau der Infrastruktur", sagt sie im Gespräch mit plusminus. "Egal, ob ich ein Haus habe mit privatem Stellplatz oder in der Mietwohnung wohne - es muss möglich sein, dass ich mir ein Elektroauto kaufen kann." Und in dem Punkt sind sich Befürworter und Gegner des Verbots plötzlich sogar einig: Ein wichtiger Bestandteil dessen, E-Mobilität in Deutschland voranzubringen, ist aus Sicht von Simon Schütz "immer und überall günstige Ladeinfrastruktur zu haben" und das Laden "günstiger ist als tanken". Dann werde sich E-Mobilität von selbst durchsetzen: "Wer einmal elektrisch unterwegs war, der ist begeistert, und da müssen wir hin."


"Teuerstes Kraftwerk ist immer ein fossiles Kraftwerk"

Allerdings bleibt die Frage: Wie wird der Strom für die E-Autos künftig erzeugt, und wie lassen sich künftig niedrige Strompreise erzielen? In Deutschland wird der Ausbau Erneuerbarer Energien vorangetrieben, Strom aus Wind- und Sonne sei schon heute eindeutig am billigsten, heißt es von den Befürwortern der Energiewende. Volker Quaschning, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, ist einer von ihnen: "Das teuerste Kraftwerk bestimmt immer den Preis an der Strombörse und das teuerste Kraftwerk ist immer ein fossiles Kraftwerk", sagt er im Gespräch mit plusminus.

Das bewiesen die Börsenpreise: 2021, also vor dem Beginn des Krieges in der Ukraine und damit einhergehenden Energiekrise, kostete Strom aus Erneuerbaren Energien im Jahresdurchschnitt 9,34 Cent je Kilowattstunde. Im vergangenen Jahr lag der durchschnittliche Börsenpreis bei nur noch 7,8 Cent je Kilowattstunde, und zwar inklusive der Kosten, die durch Windstille, Dunkelflauten und teure Importe entstehen.


Französischer Atomstrom subventioniert

Auch der Atomstrom in Frankreich sei in Wahrheit gar nicht so billig: Deren Strom wird aktuell für 4,2 Cent verkauft - aber vom Staat massiv subventioniert. Weil das Frankreich nun aber zu teuer wird, ist ab 2026 eine Preiserhöhung auf sieben Cent fest geplant. Und bei künftig nötigen neuen Atomkraftwerken wären 14,2 Cent je Kilowattstunde fällig, zeigen Berechnungen des französischen Rechnungshofs.

"Deswegen müssen wir durch den Ausbau Erneuerbarer Energie dafür sorgen, dass wir die fossilen Kraftwerke immer weniger brauchen, und dann wird  Strom auch insgesamt preiswerter", betont Volker Quaschning. Auch der Preis für Speicher fällt massiv: Zurzeit werden Anlagen gebaut, die Solarstrom speichern und nach Sonnenuntergang stundenlang Gaskraftwerke ersetzen können - deutlich billiger, ganz ohne Subvention.


Infrastruktur für Erneuerbare Energien kostet

Christof Bauer von der TU Darmstadt hält dagegen, dass derzeit noch Leitungen und Speicher fehlen, um in Zeiten, in denen viel Strom aus Sonne und Wind produziert wird, diesen Überschuss sinnvoll zu verwenden. "Die Erneuerbaren Energien funktionieren in der Versorgung ohne Stromspeicher nicht, ohne Netzausbau, ohne Reservekraftwerke." Beziehe man den Ausbau der nötigen Infrastruktur mit ein, sehe der Kostenvergleich gleich ganz anders aus.

Zu den bereits genannten 7,8 Cent je Kilowattstunde kommen noch 3,5 Cent EEG-Umlage, weitere 0,75 Cent für sonstige Umlagen inklusive Netzumbau und 0,5 Cent für Netzregelung und Reservekraftwerke hinzu. Insgesamt ergibt sich ein durchschnittlicher Preis von 12,55 Cent je Kilowattstunde an tatsächliche Kosten.


Kohlekraftwerke länger laufen lassen?

Doch der Preis ist nicht das einzige Argument, dass aus Sicht von Christof Bauer dagegen spricht, ausschließlich auf Erneuerbare Energien zu setzen. Wenn im Winter wochenlang Sonne fehle, seien die Speicher nutzlos. Für ihn war der Kohleausstieg angesichts solcher Fragen verfrüht: "Deswegen muss man gegebenenfalls die Kohlekraftwerke so lange laufen lassen, bis wir Ersatz haben - in welcher Form auch immer", so der Experte.

Kohleausstieg bremsen? Auch die Befürworter der Energiewende hätten damit kein Problem: "Aus dem Klima-Aspekt ist es relativ egal, ob ich ein Kohle- oder ein Gaskraftwerk laufen lasse", sagt Professor Volker Quaschning. "Die Stunden, die solche Kraftwerke am Netz sind, nehmen immer mehr ab, und wenn wir nur noch wenige Stunden im Jahr haben, wo diese wenigen Kraftwerke laufen, dann ist das am Ende auch egal."

Nicht nur die Industrie braucht billigeren Strom. Weltweit wird deshalb auf Solarstrom umgestellt. Entscheidend ist eigentlich nur, dass diese Umstellung effizient und preiswert gelingt. Und dass Atomstrom nicht die Lösung ist, darin sind sich alle einig: "Neu bauen ist sehr teuer und liefert uns frühestens eine Lösung in zehn Jahren. Und wir brauchen jetzt eine Lösung bis zum Jahr 2030", betont Christof Bauer.


https://www.tagesschau.de/wirtschaft/ene...t-100.html
Zitat:Faktor Trump: Krise der deutschen Wirtschaft spitzt sich zu

Mo, 17.03.25

Konjunktur
München/Paris (dpa) - Handelskonflikte und ein schwacher Konsum setzen der deutschen Wirtschaft deutlich stärker zu als bisher angenommen. Sowohl das Ifo-Institut als auch der Industrieländer-Zusammenschluss OECD senkten ihre Prognosen deutlich und wiesen auf eine Vielzahl von Unsicherheiten hin. Die deutsche Konjunktur folgt damit dem Trend der Weltwirtschaft - allerdings von einem Niveau, das so niedrig ist wie in kaum einer anderen Industrienation. Auch Verbraucherinnen und Verbraucher dürften das bald zu spüren bekommen.

Deutschland ohne USA «erheblich ärmer»
Das Ifo-Institut senkte seine Prognose für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft im laufenden Jahr auf ein Wachstum von 0,2 Prozent. Im Winter waren die Münchner Wirtschaftsforscher noch von 0,4 Prozent ausgegangen.

Der Rückzug der USA aus Europa und ihr Protektionismus bedeuteten, dass Deutschland «erheblich ärmer» sei, als es das sonst wäre, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. «Das bedeutet, dass uns nichts davor bewahren kann, entweder den Gürtel enger zu schnallen oder mehr zu leisten.» Nur mit Schulden lasse sich das Problem jedenfalls nicht aus der Welt schaffen.

Erst 2026 sehen die Ifo-Experten mit 0,8 Prozent wieder etwas mehr Wachstumspotenzial. Alle Ifo-Werte beziehen sich auf das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt.

Im OECD-Vergleich sehr schwach
Im Tableau der OECD-Nationen steht Deutschland derweil auf dem vorletzten Platz. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) dampfte Deutschlands Prognose für 2025 wie bereits im Dezember deutlich ein: Statt um 0,7 Prozent dürfte die Wirtschaftsleistung lediglich um 0,4 Prozent zulegen. Schwächer steht lediglich Mexiko da, das von US-Präsident Donald Trumps Zollstreit in voller Härte getroffen wird.

Die OECD sehen aber nicht nur Deutschland unter Druck, sondern die gesamte Weltwirtschaft. Durch Handelskriege und geopolitischen Konflikte ergebe sich ein Klima, in dem Unternehmen weniger investieren und Verbraucherinnen und Verbraucher ihr Geld zusammenhalten. Somit kommt der Konsum nicht in Gang, obwohl die Kaufkraft in vielen Ländern wieder gestiegen ist.

Unter diesem Eindruck senkten die Fachleute der OECD ihre Erwartungen für die weltweite Wirtschaftsleistung in diesem und im kommenden Jahr. Besonders hart dürfte es 2025 Mexiko und Kanada treffen. Im kommenden Jahr gehören auch die USA zu den Ländern mit den stärksten Verlusten. In Deutschland hingegen zeigt der Pfeil im kommenden Jahr nach oben: Die OECD erwartet ein Wachstum von 1,1 Prozent.

Preise dürften stärker steigen als erwartet
Die Zölle drücken nicht nur das Wachstum, sie treiben auch die Preise an. Zwar dürfte die Inflation in den meisten Ländern erneut etwas nachlassen. Für Deutschland rechnen die Fachleute im laufenden Jahr aber mit einer Teuerung von 2,4 Prozent - fast auf dem Niveau des Vorjahres. Im Dezember waren sie noch von 2,0 Prozent ausgegangen.

Hierzulande deuteten Indikatoren auf eine Aufwärtsdynamik besonders bei den Dienstleistungen hin, dazu zählen etwa das Friseurhandwerk und Kfz-Werkstätten. In diesem Bereich können vor allem Lohnabschlüsse die Inflation befeuern.

Wie eine Trendwende gelingen könnte
Die Zahlen der OECD preisen von den USA angekündigte Zölle gegen Kanada und Mexiko sowie mögliche Gegenmaßnahmen ein. Folglich könnten die Prognosen deutlich besser ausfallen, sollte im Zollstreit eine Einigung gelingen. In einer Modellrechnung der OECD mit leichteren Handelsbeschränkungen zeigte sich, dass vor allem Kanada, Mexiko und die USA profitieren würden, allerdings auch die G20-Nationen.

Zur Situation in Deutschland forderte Fuest etwa, den Trend zu immer mehr Teilzeitarbeit zu stoppen - auch durch bessere Kinderbetreuung. Zudem müsse es sich lohnen, mehr zu arbeiten.

Wie Ifo-Experte Timo Wollmershäuser erklärte, klammern die Zahlen des Ifo derzeit noch die Pläne der voraussichtlich künftigen Bundesregierung aus. Sie will hunderte Milliarden in Rüstung und Infrastruktur investieren. Sollte das gut umgesetzt werden, gebe es deutliches Potenzial nach oben, sagte Wollmershäuser.

DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov sagte, das Milliardenpaket könne nur fruchten, wenn gleichzeitig strukturelle Reformen angegangen würden. «Verfahren vereinfachen und beschleunigen, Steuern und Kosten für wirtschaftliches Handeln in unserem Land reduzieren und die Verwaltungen effizienter machen.» Derlei Impulse müsse eine neue Regierung setzen. «Wieder oben mitzuspielen, auch im OECD-Ranking, das sollte unser Anspruch sein.»

https://www.comdirect.de/inf/news/detail...18d&RANGE=