In dem unteren Artikel wird auf das Problem der deutschen Autobauer näher eingegangen. U.a. wird auf den Entwicklungstakt hingewiesen.
Zitat:China ist verloren! Gewöhnt euch dran, liebe Autobauer
Kommentar von Martin Seiwert
20. September 2024
Bei den Krisen von VW, BMW und Mercedes geht es im Kern um das Wegbrechen des chinesischen Markts. Es ist höchste Zeit, einer unbequemen Wahrheit ins Auge zu sehen. Ein Kommentar.
Wer die Verkaufsstatistiken des chinesischen Autohandelsverbands CPCA studiert, muss nicht Chinesisch sprechen, um die wichtigste Botschaft zu verstehen. Es genügt, ein Plus von einem Minus unterscheiden zu können: In der Liste der zehn größten Anbieter von Autos in China stehen seit Jahren hinter chinesischen Autobauern Absatzzahlen mit einem Plus, hinter ausländischen Herstellern aus Europa, USA und Japan ein Minus.
Anders ausgedrückt: China schüttelt zusammen mit dem Verbrennungsmotor die ausländischen Autohersteller ab und übernimmt als E-Auto-Nation selbst das Kommando. Dieser Trend ist klar, stabil – und eine tödliche Gefahr für die deutschen Autohersteller. Sie sind es gewohnt, mehr als ein Drittel ihrer Umsätze und Gewinne in China zu machen.
Die einstigen Auto-Azubis in China haben sich emanzipiert, stürzen ihre Meister und nehmen mit dem Schwung dieser Revolution Kurs auf den Weltmarkt.
Und die Meister? Sind ebenso rastlos wie ratlos. Erst hat VW ein Brutalo-Sparprogramm ausgerufen, kürzlich folgte eine Gewinnwarnung bei BMW, nun eine bei Mercedes. Immer ging es dabei um China: Es laufe dort nicht so, wie man es sich gedacht habe, ließen die Konzerne verlauten.
Ja, mit Verlaub, was haben die Hersteller denn gedacht? Dass sie in China bald wieder Fuß fassen und dann alles wieder wird, wie es mal war?
„Wir sagen eine seismische Verschiebung der Marktanteile der globalen Autohersteller vorher“, stand schon vor einem Jahr in einer der besten Studien zu dem Thema. Die chinesischen Hersteller würden bis 2030 ihre weltweiten Marktanteile von derzeit 17 auf 33 Prozent nahezu verdoppeln, so die Untersuchung der Bank UBS. Die etablierten Hersteller aus Europa, USA, Japan und Korea dagegen würden abstürzen, von derzeit 81 auf dann 58 Prozent. Unter diesen Verlierern seien „große Hersteller mit China-Engagement, allen voran Volkswagen“.
Die UBS-Analysten sortierten die wichtigsten Autohersteller nach ihren Wachstumschancen bis zum Jahr 2030. Angeführt wird das Ranking von sieben chinesischen Elektroauto-Herstellern und Tesla. Das untere Ende des Rankings ist, mit Ausnahme von Renault, ein deutsches Stelldichein: Porsche, Mercedes, BMW und – das Schlusslicht – Volkswagen.
Ist der Vorsprung überhaupt aufzuholen?
Unsere Automanager sollten schnell umparken im Kopf. Sie sollten sich an den Gedanken gewöhnen, dass China womöglich schon bald in Gänze verloren ist, und Wege suchen, wie ihre Konzerne ohne China eine Zukunft haben.
Aktuell sind die Reaktionen der deutschen Autobauer auf das China-Problem wenig überzeugend. Volkswagen – derzeit der zweitgrößte, bald wohl nur noch der drittgrößte Anbieter in China – will wegen der höheren Geschwindigkeit der chinesischen Wettbewerber die Entwicklungszeit für neue Modelle von 50 auf 36 Monate verkürzen. Dumm nur, dass chinesische Hersteller heute schon nur 24 bis 36 Monate brauchen. VW will also eines fernen Tages dort landen, wo China heute schon ist. Aber wo ist dann China?
Nur ein Beispiel für den Rückstand ist das. Bei der Produktionsgeschwindigkeit, dem Technologie-Know-how und dem Zugang zu Rohstoffen und staatlicher Förderung sieht es nicht besser aus. China rennt, wir rätseln. Man wird schon müde, das zu schreiben. Richtig ist es leider trotzdem.
https://www.wiwo.de/unternehmen/auto/gew...02682.html
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Kinder wollen nicht wie Fässer gefüllt, sondern wie Fackeln entzündet werden.