Zitat:Bitcoin über 90.000 Dollar
Wie Trump den Bitcoin lieben lernte
Stand: 14.11.2024 06:58 Uhr
Seit dem Wahlsieg des selbsternannten "Bitcoin-Präsidenten" Trump jagt die Kryptowährung von Rekordhoch zu Rekordhoch. Hinter der Bitcoin-Liebe Trumps stecken auch persönliche finanzielle Interessen.
Von Angela Göpfert, ARD-Finanzredaktion
Bitcoin-Rally ist ein klassischer "Trump Trade"
USA sollen "Krypto-Zentrum des Planeten" werden
Auftritt für die "Crypto Mom"?
Zudem hatte Trump mehrfach erklärt, eine seiner ersten Amtshandlungen als US-Präsident werde es sein, den Chef der Börsenaufsicht SEC, Gary Gensler, wegen dessen "Kryptofeindlichkeit" zu feuern. Das ist zwar in der Praxis kaum machbar. Aber üblicherweise tritt der SEC-Chef in der Zeit vor der Amtseinführung eines neuen Präsidenten selbst zurück. Die Chancen stehen gut, dass dann Hester Pierce die Führung der Börsenaufsicht übernimmt.
Die bereits 2018 von Trump ernannte SEC-Kommissarin hat sich in der Branche einen Namen gemacht als starke Befürworterin eines flexibleren und innovationsfreudigeren Regulierungsansatzes bei Kryptowährungen. Nicht umsonst lautet ihr Spitzname "Crypto Mom".
Eine "nationale Bitcoin-Reserve" für Krisenzeiten?
Bitcoin-Reserve wäre Konkurrenz für den Dollar
World Liberty Financial - Trumps Krypto-Projekt
Doch ob Trump bei seinen Entscheidungen überhaupt die Interessen der USA in den Fokus stellen wird, ist ohnehin fraglich. Fakt ist: Der Milliardär hat ein ganz persönliches Interesse daran, das Marktumfeld für Kryptowährungen zu verbessern; würde er damit doch nicht nur seinen Unterstützern aus der Krypto-Community etwas zurückgeben, die seinen Wahlkampf immerhin mit über 140 Millionen Dollar mitfinanzierten: Der Geschäftsmann Trump selbst verfolgt darüber hinaus auch eigene finanzielle Interessen.
Hatte Trump vor drei Jahren den Bitcoin noch als "Betrug" bezeichnet, so hat er seither eine 180-Grad-Kehre vollzogen, die sich auch in seinen Geschäften niederschlägt. Erst im Oktober ging World Liberty Financial an den Start - ein Krypto-Projekt "inspired by Donald Trump". Bislang besteht dieses in erster Linie aus einer simplen Webseite, dem Verkauf eines gleichnamigen Token mit der Abkürzung WLFI und einer Handvoll Versprechen.
Trump als "Chef Krypto-Anwalt"
Laut der Webseite bekleiden Trumps Söhne Eric Trump, Barron Trump und Donald Trump Jr. alle den Posten eines "Web3-Botschafters" - was auch immer das sein mag. Genauso undurchsichtig wie die Jobs der Trump-Söhne ist der ihres Vaters: Donald Trump ist nämlich "Chief Crypto Advocate". Ob der Posten eines "Chef-Krypto-Anwalts" mit dem des US-Präsidenten kompatibel ist, sei einmal dahingestellt.
In der Fachwelt zerreißen sich die Experten jedenfalls die Mäuler über das Krypto-Projekt des Präsidenten. Denn man kann das WLFI-Token zwar bereits kaufen, aber nicht handeln. Es ist nämlich "nicht übertragbar". De facto kommt der Kauf des Token somit einer Spende gleich; Käufer bekommen im Gegenzug lediglich ein nicht näher definiertes "Mitspracherecht" bei der Ausrichtung von World Liberty Financial.
Token-Einnahmen sollen an "Inner Circle" gehen
Tatsächlich ist der WLFI-Token bislang ein echter Rohrkrepierer. Laut der Webseite wurden bisher lediglich 1,09 Milliarden Token verkauft und damit nur ein Bruchteil der angestrebten 20 Milliarden. Der Wert der verkauften Token beläuft sich auf rund 16 Millionen Dollar - 450 Millionen Dollar sollen es einmal werden.
Doch was passiert mit dem Geld, sollte WLFI wider Erwarten doch noch ein Erfolg werden und alle Token verkaufen können? Wer das wissen möchte, muss ins Kleingedruckte schauen, das bei WLFI Gold Paper heißt. Danach sollen 30 Millionen Dollar für die laufenden Ausgaben von WLFI verwendet werden. Der Rest - also rund 420 Millionen Dollar - wird unter einem "inneren Kreis" der "ersten Unterstützer" aufgeteilt.
Trump-Kritiker: WLFI ist ein "durchschaubarer Betrug"
Größter Profiteur davon wäre natürlich - Trump: 75 Prozent der Einnahmen sollen einem Unternehmen namens DT Marks DEFI LLC zufließen, das sich im Besitz des künftigen US-Präsidenten befindet. Der Hedgefonds-Manager Anthony Scaramucci spricht daher im Interview mit CoinDesk auch ganz klar von "Betrug". Scaramucci war in der ersten Amtszeit Trumps nur kurzzeitig Kommunikationschef im Weißen Haus und gehört seit jener Zeit zu den größten Kritikern Trumps.
Ich meine, es ist ein durchschaubarer Betrug, und Sie sollten ihn um jeden Preis vermeiden.
Anthony Scaramucci
Trump selbst hat den WLFI-Token in einem Statement auf X als "Ihre Chance" bezeichnet, "die Zukunft des Finanzwesens mitzugestalten". Womöglich ist World Liberty Financial aber in erster Linie "Ihre Chance", die Zukunft von Donald Trumps Finanzen mitzugestalten.
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/fin...i-100.html



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