
RE: Geld ist nur ein Schuldschein - Quatsch?
| 07.04.2019, 17:53 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 07.04.2019, 17:54 von MacMoneysac.)(07.04.2019, 11:23)cubanpete schrieb: OK, wir haben die zentrale Frage im Titel dieses Threads beantwortet: alles Geld ist Schulden.
Die Diskussion entwickelt sich dann in Richtung ob alle Schulden auch Geld sind. Ich meine Ja. (...)
Dem würde ich allerdings immer noch widersprechen. Nicht alles Geld ist Schulden.
Die Zentralbanken der Welt kaufen in den letzten Jahren bekanntermaßen massenhaft Wertpapiere auf (Staatsanleihen und teilweise sogar Unternehmensanleihen und Aktien). Das heißt die Notebank schreibt einer Geschäftsbank ein Zentralbankguthaben aus dem Nichts gut (auf der Passiva-Seite) und kommt dafür in den Besitz des Wertpapiers (auf der Aktiva-Seite). Das heißt die Bilanz wird verlängert und es wird Geld geschaffen ganz ohne Schuldverhältnis.
Natürlich gibt es immer noch die Möglichkeit der Bilanzverlängerung per Zentralbank-Kreditvergabe, d.h. die gewöhnliche Geldschöpfung per Kreditvergabe. Was diesen Teil betrifft, so stimmt die Aussage, dass dieses Geld immer auf einem Schuldverhältnis beruht. Aber das betrifft eben nur einen Teil des Zentralbankgeldes - nicht alles.
Meine zweite These war, dass es auch gar keine so große Rolle spielt, weil ich mit dem Geld von einer höheren Ebene unlimitiert viel Schulden einer niedrigeren Ebene zurückzahlen kann. Denn dabei wird immer nur das Geld auf der niedrigen Ebene "verpuffen", aber nicht das Geld, welches sich auf der höheren Ebene befindet. Das Geld der niedrigeren Ebene ist nämlich per Definition nur ein Anspruch auf Geld der höheren Ebene. Wird dieser Anspruch erfüllt, indem man das Geld der höheren Ebene als Zahlungsmittel erhält, verpufft der Anspruch - nicht aber das Geld der höheren Ebene (man denke immer an die physische 1€ Münze; die verschwindet ja nicht, nur weil ich damit eine Schuld abbezahle; die Schuld wird zwar um 1€ verringert, aber die 1€ Münze bleibt für beliebig viele weitere Transaktionen erhalten).
Zu guter Letzt: Mir ist jetzt auch besser klar geworden, wo bei dem physischen 50 EUR-Schein auf der Hand die "Schuld" liegt. Der gemeine Bürger, der den Schein in der Hand hält, hat damit nichts zu tun, aber die Geschäftsbanken: Sobald der Bürger den Schein auf die Bank bringt kann diese den 50 EUR-Schein an die Zentralbank schicken. Dann hat die Geschäftsbank Anspruch darauf, dass die Zentralbank diesen Schein annimmt und ihnen das Geld auf dem Zentralbankkonto als Einlage gutschreibt. Das physische Bargeld wird also wieder zurückgetauscht in Zentralbank-Guthaben. Der Anspruch auf diesen Umtausch stellt die Forderung gegen die Zentralbank dar. Umgekehrt handelt es sich für die Zentralbank um eine Verbindlichkeit: Sie muss die Scheine wieder annehmen.