
RE: Die Alte Dame - Hertha BSC
| 02.01.2019, 14:16 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 16.03.2019, 18:33 von OJ@Y.)
Großes Interview, Teil 1
Preetz: "Wir hätten mehr erreichen können"
KURIER: Herr Preetz, werden Sie in der Silvesternacht Böller werfen oder Raketen abfeuern?
Michael Preetz: Da konnte ich mich noch nie für begeistern. Ich habe als Kind Leute gesehen, denen der halbe Arm weggeflogen ist, und Briefkästen, die vor meinen Augen explodiert sind. Das ist nicht meine Welt. Ich habe bislang keine einzige Rakete abgeschossen in meinem Leben. Und ich bin auch keiner, der sich an einem Feuerwerk erfreuen kann.
Echte Kracher hat die Mannschaft zuletzt vor der Winterpause nicht abgeliefert. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?
Wir haben verschiedene Gesichter gezeigt. Wir sind sehr gut reingekommen in diese Saison, haben uns gerade in den Bereichen verbessert, in denen wir uns verbessern wollten. Stichwort: offensive Wucht. Wir haben aber auch eine Phase eingestreut, die schlecht war, das muss man ganz klar sagen. Doch unterm Strich haben wir drei Spiele abgeliefert, die mir wirklich Sorgen bereitet haben, weil wir da nicht eine Mentalität gezeigt haben, dass wir unbedingt alles erreichen wollen.
Sie meinen das 1:4 in Düsseldorf, das 1:2 in Stuttgart und zuletzt das 1:3 in Leverkusen.
Ja. Daran müssen wir zwingend arbeiten in der Rückrunde. Es darf keine Zufriedenheit aufkommen, wenn wir mal zwei oder drei Spiele hintereinander gewinnen. In dem Moment, wo es scheinbar gutgeht, haben wir noch nichts erreicht. Es muss der Reflex einsetzen, dass man jetzt richtig loslegen will und das Gaspedal durchdrücken muss. Das hat mir gefehlt, das ärgert mich. Wir hätten mehr erreichen können, als wir es getan haben. Ich will, dass wir lernen, in solchen Momenten zuzupacken.
Was waren die sportlichen Höhepunkte 2018?
Nach neun Jahren mal wieder gegen die Bayern zu gewinnen, verdient, wie ich finde, das war ohne Frage ein besonderer Moment. Es hat sich aber auch gut angefühlt, nach einer Ewigkeit wieder in Gelsenkirchen zu gewinnen.
Ärgerlich war die Fan-Randale beim 2:2 in Dortmund, als auch die Polizei unglücklich agierte. Würden Sie womöglich sagen, dass Sie die Schuldfrage zu früh zu einseitig beantwortet haben?
Ich finde es gut, dass wir nach zwei Jahren wieder miteinander reden. Auf der anderen Seite ist auch klar, dass Gewalt keine Lösung ist.
Positiv ist also auch, dass es wieder einen Austausch gibt zwischen Klubführung und aktiver Fanszene.
Für uns ist es wichtig, dass wir weiter miteinander sprechen, dass wir dieses zarte Pflänzchen hegen und pflegen. Wir wollen unbedingt aufarbeiten, was in den vergangenen zwei Jahren aufgelaufen ist und Dinge ausräumen – soweit es geht.
Also gibt es bald wieder die glückliche Hertha-Familie?
Es sind Fehler gemacht worden, auf beiden Seiten. Dieses Eingeständnis gehört bei der Bewältigung eines Konflikts dazu. Alles andere werden wir intern besprechen, bevor wir es öffentlich kommentieren. Meine Hoffnung ist jedenfalls, dass sich das Verhältnis deutlich verbessert.
Man hatte in der Vergangenheit das Gefühl, Herthas Probleme sind oft hausgemacht.
Das sehe ich anders. Was wir gemacht haben, ist: Haltung zeigen. Was Unrecht ist, das bleibt Unrecht und das wird als solches benannt, daran wird sich nichts ändern. Über hausgemachte Probleme können wir uns unterhalten, wenn es etwa um das Thema Stadionhymne geht. Das war sicherlich die falsche Vorgehensweise, gar keine Frage.
Oder beim Thema Digitalisierung.
Dieses Thema beschäftigt alle Unternehmen, Digitalisierung ist in unser aller Leben schon seit längerer Zeit angekommen. Auch im Leben derer, die sie kritisieren. Alle zahlen ihre Rechnungen online, Tickets werden übers Handy gebucht. Und wenn wir auch da über Fehler sprechen, dann ging es am Anfang dieses Veränderungsprozesses vielleicht zu schnell, wir haben nicht alle gut genug mitgenommen bei dem Thema. Aber dass wir diesen Weg weitergehen müssen, das ist jedem da draußen bewusst. Trotzdem gilt natürlich, dass wir analog Fußball spielen, auch das wird sich nicht ändern. Wir wollen die Leute im Stadion haben, wir wollen eben nicht, dass sie zu Hause die Spiele verfolgen. Aber diejenigen, die unsere Spiele von zu Hause aus über Handy, Tablet oder wie auch immer verfolgen, über die sagen wir eben auch, dass sie Fußballfans sind.
Wurde das Thema zu hoch gehängt? Sie haben als einziger Bundesligist die Digitalisierung auf leitender Ebene verankert und Paul Keuter eingestellt.
Dieses zukunftsträchtige Thema hat für das Wachstum von Hertha eine enorme Bedeutung, dementsprechend haben wir es auch im Unternehmen aufgehängt. Wir sehen deutlich mehr Chancen als Risiken.
Quelle: https://www.berliner-kurier.de/sport/her...--31813438
![[Bild: Hertha_bsc_Fahne.gif]](https://preview.ibb.co/j0ebdT/Hertha_bsc_Fahne.gif)
Ojay
Preetz: "Wir hätten mehr erreichen können"
KURIER: Herr Preetz, werden Sie in der Silvesternacht Böller werfen oder Raketen abfeuern?
Michael Preetz: Da konnte ich mich noch nie für begeistern. Ich habe als Kind Leute gesehen, denen der halbe Arm weggeflogen ist, und Briefkästen, die vor meinen Augen explodiert sind. Das ist nicht meine Welt. Ich habe bislang keine einzige Rakete abgeschossen in meinem Leben. Und ich bin auch keiner, der sich an einem Feuerwerk erfreuen kann.
Echte Kracher hat die Mannschaft zuletzt vor der Winterpause nicht abgeliefert. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?
Wir haben verschiedene Gesichter gezeigt. Wir sind sehr gut reingekommen in diese Saison, haben uns gerade in den Bereichen verbessert, in denen wir uns verbessern wollten. Stichwort: offensive Wucht. Wir haben aber auch eine Phase eingestreut, die schlecht war, das muss man ganz klar sagen. Doch unterm Strich haben wir drei Spiele abgeliefert, die mir wirklich Sorgen bereitet haben, weil wir da nicht eine Mentalität gezeigt haben, dass wir unbedingt alles erreichen wollen.
Sie meinen das 1:4 in Düsseldorf, das 1:2 in Stuttgart und zuletzt das 1:3 in Leverkusen.
Ja. Daran müssen wir zwingend arbeiten in der Rückrunde. Es darf keine Zufriedenheit aufkommen, wenn wir mal zwei oder drei Spiele hintereinander gewinnen. In dem Moment, wo es scheinbar gutgeht, haben wir noch nichts erreicht. Es muss der Reflex einsetzen, dass man jetzt richtig loslegen will und das Gaspedal durchdrücken muss. Das hat mir gefehlt, das ärgert mich. Wir hätten mehr erreichen können, als wir es getan haben. Ich will, dass wir lernen, in solchen Momenten zuzupacken.
Was waren die sportlichen Höhepunkte 2018?
Nach neun Jahren mal wieder gegen die Bayern zu gewinnen, verdient, wie ich finde, das war ohne Frage ein besonderer Moment. Es hat sich aber auch gut angefühlt, nach einer Ewigkeit wieder in Gelsenkirchen zu gewinnen.
Ärgerlich war die Fan-Randale beim 2:2 in Dortmund, als auch die Polizei unglücklich agierte. Würden Sie womöglich sagen, dass Sie die Schuldfrage zu früh zu einseitig beantwortet haben?
Ich finde es gut, dass wir nach zwei Jahren wieder miteinander reden. Auf der anderen Seite ist auch klar, dass Gewalt keine Lösung ist.
Positiv ist also auch, dass es wieder einen Austausch gibt zwischen Klubführung und aktiver Fanszene.
Für uns ist es wichtig, dass wir weiter miteinander sprechen, dass wir dieses zarte Pflänzchen hegen und pflegen. Wir wollen unbedingt aufarbeiten, was in den vergangenen zwei Jahren aufgelaufen ist und Dinge ausräumen – soweit es geht.
Also gibt es bald wieder die glückliche Hertha-Familie?
Es sind Fehler gemacht worden, auf beiden Seiten. Dieses Eingeständnis gehört bei der Bewältigung eines Konflikts dazu. Alles andere werden wir intern besprechen, bevor wir es öffentlich kommentieren. Meine Hoffnung ist jedenfalls, dass sich das Verhältnis deutlich verbessert.
Man hatte in der Vergangenheit das Gefühl, Herthas Probleme sind oft hausgemacht.
Das sehe ich anders. Was wir gemacht haben, ist: Haltung zeigen. Was Unrecht ist, das bleibt Unrecht und das wird als solches benannt, daran wird sich nichts ändern. Über hausgemachte Probleme können wir uns unterhalten, wenn es etwa um das Thema Stadionhymne geht. Das war sicherlich die falsche Vorgehensweise, gar keine Frage.
Oder beim Thema Digitalisierung.
Dieses Thema beschäftigt alle Unternehmen, Digitalisierung ist in unser aller Leben schon seit längerer Zeit angekommen. Auch im Leben derer, die sie kritisieren. Alle zahlen ihre Rechnungen online, Tickets werden übers Handy gebucht. Und wenn wir auch da über Fehler sprechen, dann ging es am Anfang dieses Veränderungsprozesses vielleicht zu schnell, wir haben nicht alle gut genug mitgenommen bei dem Thema. Aber dass wir diesen Weg weitergehen müssen, das ist jedem da draußen bewusst. Trotzdem gilt natürlich, dass wir analog Fußball spielen, auch das wird sich nicht ändern. Wir wollen die Leute im Stadion haben, wir wollen eben nicht, dass sie zu Hause die Spiele verfolgen. Aber diejenigen, die unsere Spiele von zu Hause aus über Handy, Tablet oder wie auch immer verfolgen, über die sagen wir eben auch, dass sie Fußballfans sind.
Wurde das Thema zu hoch gehängt? Sie haben als einziger Bundesligist die Digitalisierung auf leitender Ebene verankert und Paul Keuter eingestellt.
Dieses zukunftsträchtige Thema hat für das Wachstum von Hertha eine enorme Bedeutung, dementsprechend haben wir es auch im Unternehmen aufgehängt. Wir sehen deutlich mehr Chancen als Risiken.
Quelle: https://www.berliner-kurier.de/sport/her...--31813438
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Ojay
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