
RE: Deutsche an der Börse
| 13.04.2021, 11:58 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 13.04.2021, 12:00 von SimpleSwing.)(13.04.2021, 11:20)Speculatius schrieb: So, nach so viel Geschimpfe auf die dummen Anfänger und Nullraffer mal ein wenig Selbstgeißelung.
Wie hat sich denn unsereins in den ersten Jahren so benommen?
Also bei mir war es so, daß ich damals - so Anfang der 80er Jahre - glaubte, man müsse sich intensiv mit Unternehmensanalysen einerseits und Kapitalmarktanalysen und Anlegerverhalten andererseits beschäftigen und könnte dann nach einiger Zeit erfolgreich am Markt agieren und wenn es gut läuft sogar ein Vermögen verdienen. Im Prinzip so ähnlich wie man ein Handwerk erlernen kann und irgendwann ist man der Meister.
Und obwohl dieser Ansatz schon deutlich anspruchsvoller ist als der des "dummen Deutschen", der nur den schlauen Aktientipp vom Experten haben will ohne sich selbst mit der Materie auseinandersetzen zu wollen - bekanntermaßen wurden die großen Vermögen dieser Welt ja überwiegend so gemacht - mit Aktientipps vom Nachbarn (), ist auch mein damaliger Ansatz rückblickend betrachtet grenzenlos naiv gewesen und hat keinesfalls die Resultate hervorgebracht, die ich mir ausgemalt hatte.
Mir geht's bisweilen so wie in "Back to the Future II", wo der alte Biff in die Vergangenheit reist und dem jungen Biff klar macht, was für eine hohle Nuss er ist. Das würde ich mit mir ab und zu auch gerne machen.
Natürlich habe wir alle "dumm" angefangen

Ich glaube aber, dass wir, so paradox sich das anhört, je nachdem wann wir angefangen haben, die bessere Vorraussetzungen hatten als die Änfnger heute.
Ich hab 1997 angefangen und damit das Entstehen von damals hauptsächlich WO "begleitet".
Das war auf der einen Seite natürlich Wild West pur (OTC Aktien und Dauer-Rip-Off-Promotions - wie hieß diese AG mit der Disco auf Mallorca

Aber auf der anderen Seite waren alle begeistert von der Möglichkeit sich in einer breiteren Öffentlichkeit austauschen zu können.
Daher gab es breite Diskussionen über Risikomanagement, Research, Strategien usw, weil jeder dabei sein wollte und es für jeden neu war. Alles Gesagte wurde "zum ersten Mal" gesagt oder diskutiert.
Heute sind viele davon "müde" der x-ten Tradinggeneration erneut das alles zu erzählen.
Einige haben sich damit selbständig gemacht und lassen sich die Informationen bezahlen.
Ich habe damals für mich sehr früh mitgenommen, dass jede Information hinterfragt werden muss und das nur das "gilt" was man selber recherchiert hat.
Ich kann mich heute noch an OTC Threads erinnern in denen nahezu Zeile für Zeile Geschäftsberichte durchgearbeitet wurden, Zahlen verglichen wurden und reihenweise "Ungenauheiten" und "Unwahrheiten" aufgedeckt wurden.
Heute ist vieles oberflächlicher und viele von den guten Informationen sind entweder "verschüttet" oder "gelöscht" (man denke an das "Vorgängerforum", da war viel Hickhack aber auch der eine oder andere Thread, der Gold wert war)
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Zitat:“In trading you have to be defensive and aggressive at the same time. If you are not aggressive, you are not going to make money, and if you are not defensive, you are not going to keep money.” - Ray Dalio