
RE: Russland
| 06.04.2022, 11:36 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 06.04.2022, 11:38 von saphir.)(06.04.2022, 07:33)Speculatius schrieb: Und hier nochmal die schriftliche Kurzfassung, erschienen heute auf n-tv:
https://www.n-tv.de/ratgeber/Wem-schaden...48534.html
Die ökonomisch richtige Vorgehensweise wäre demzufolge diese:
Die Westeuropäer sagen zu Putin nicht: "Gasembargo, Ölembargo", sondern sagen: "Lieber Putin, wir kaufen dir dein Gas und Öl nur noch für 20 % Discount ab. Darauf mußt du leider eingehen, denn der Chinese und der Inder zahlen dir auch nicht mehr."
Macht das jemand so?
Wird das überhaupt angedacht?
Ich finde die öknomischen Betrachtungen immer hilfreich. Gerade weil ich oft mit ihnen auf Kriegsfuss stehe. So auch hier aus meiner Sicht:
Wir selbst sind den öknomischen idealen gefolgt, den Markt liberalisiert, während der Marktteilnehmer Gazprom aber zumindest zum Teil vom Kremel gesteuert wird. Gazprom hat vermutlich das günstigste Angebot für Gasspeicher abgegeben und demenstprechend den Zuschlag bekommen. Nun hat sich Gazprom aber nicht wie ein unabhängiger marktteilnehmer verhalten, sondern unseren Speicher leer laufen lassen.
Daraus könnte man schliessen, dass Russland uns nicht entgegenkommen will mit Rabatten. Sondern versucht den Gaspreis nach oben zu treiben und die Abhängigkeit zu erhöhen. Glaube die OPEC macht das bisweilen auch. Zudem greift das öknomische marktliberale Modell nicht, wenn ein zentraler Teilnehmer den Regeln nicht folgt, sondern das Gegenteil veruscht zu erreichen. Nicht eine sichere Versorgung durch die Gaspeicher herzustellen wie es ja eigentlich die Marktaufgabe wäre, sondern das Gegenteil. Habeck meint die pure Physik (z.B. leere Gasspeicher) widerspricht hier dem liberalen öknomischen Modell. Russland verwendet unser öknomisches Modell gegen uns.
Mittlerweile war es auch RWE aufgefallen, dass ein Problem vorliegt.
Zitat:RWE-Chef befürwortet staatlich kontrollierte Gasreserve
Ein Großteil der Gasreserven Deutschlands lagert in einem Speicher von Gazprom in Niedersachsen. Der russische Energieriese füllt ihn aber nicht auf. Nicht nur aus Sicht von RWE-Chef Krebber ein unhaltbarer Zustand.
26.01.2022, 12.58 Uhr
https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/erdgas-rwe-chef-befuerwortet-staatliche-gasreserve-a-0f7f741a-68ad-4c6c-bf97-dbbbe186f4bc
Weil das Gas in Europa in diesem Winter so knapp wird wie lange nicht, steigt bei Bürgerinnen und Bürgern die Angst vor der Kälte. Nun hängt es allein am Wetter, ob die Kapazitäten reichen, denn die Füllstände der Erdgasspeicher sinken weiter, inzwischen liegt der Wert bei nur noch knapp mehr als 40 Prozent. Angesichts der Engpässe auf dem Erdgasmarkt fordert nun der Chef des Energiekonzerns RWE, Markus Krebber, staatliche Eingriffe für mehr Versorgungssicherheit.
»Das kann in Richtung einer staatlichen Bevorratung gehen wie beim Erdöl«, sagte Krebber der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«. Alternativ sei eine schärfere Regulierung denkbar, sodass »Gasversorger ihre Lieferverpflichtungen zu bestimmten Anteilen durch langfristige Kaufverträge oder Einspeicherungen absichern müssen. In Deutschland haben wir da eine Regelungslücke«.
Die Forderung entspricht ganz der Linie der Bundesregierung. »Zum Winter nächsten Jahres muss das Thema gelöst werden«, sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwoch bei einer Regierungsbefragung im Bundestag. »Wir können nicht noch einmal in so eine Situation reinlaufen, wie wir sie jetzt erlebt haben. Das wäre wirklich fahrlässig.«
Unter vorigen Bundesregierungen sei der Gasmarkt komplett liberalisiert worden, beklagte Habeck. Es gebe deswegen nur wenig Möglichkeiten für staatliche Eingriffe. Für die Zukunft sei die Einrichtung einer nationalen Gasreserve denkbar oder auch eine Vorschrift, wie sie Italien kenne, wonach zu einem bestimmten Datum ein gewisser Stand in den Gasspeichern erreicht sein muss. »Beide Wege haben Vor- und Nachteile«, sagte Habeck. In jedem Fall handle es sich um Markteingriffe, die Fragen nach Kompensation oder Garantien aufwerfen.
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Kinder wollen nicht wie Fässer gefüllt, sondern wie Fackeln entzündet werden.