
RE: Russland
| 22.05.2022, 17:51 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 22.05.2022, 17:54 von boersenkater.)(22.05.2022, 16:15)jf2 schrieb: Auch für dich nochmal: Ja, es gibt gezielte Sanktionen gegen Russland z.B. in der Mikroelektronik (Prozessoren etc), Sensortechnik und anderen High-Tech Bereichen. Aber das ist ja nicht alles, es gibt dann auch noch die Finanzsanktionen die darauf abzielen Russland komplett vom Rest der Welt abzuschneiden indem man 300Mrd. $ der Zentralbank stielt, ihre Verbindungen zu den internationalen Währungsmärkten kappt und die russischen Banken aus dem SWIFT-System wirft. Wie stellst Du dir denn das jetzt vor wie Russland Weizen an Somalia verkaufen kann? Da kommt ein berittener Bote aus Somalia mit einem Köfferchen voll Gold und zahlt Vorkasse in Moskau für eine Weizenlieferung? Normal würde er eine SWIFT-Überweisung machen aber das hat ja der Wertewesten nicht für gut befunden.
Und wie funktioniert das mit SWIFT? Ist das sowas wie eine Pipeline bei der dann physisches Geld von A nach B transportiert wird?

SWIFT ist nichts anderes als ein Zahlungsinformationssystem - wie schon gesagt sowas wie ein Bankeninternet bei der die Banken
eigene Adressen haben und so Geld zwischeneinander hin und herschieben können.
Wie funktioniert das letztendlich - so wie immer - bei der einen Bank (Konto des Käufers in Somalia) wird das Guthaben kleiner - bei der anderen Bank
(Konto des Verkäufers in Russland) wird das Guthaben grösser.
Das passiert am Ende aber nicht über SWIFT sondern über das Clearing der Banken untereinander. Also in diesem Fall zwischen der Bank in Somalia
und der in Russland.
SWIFT macht das nur einfacher und schneller weil es die Information sicher überträgt. Im Grunde so wie wenn Du per EMail darüber informiert wirst
das Dein Amazon-Päckchen kommt.
Die Geldüberweisung ist aber wie gesagt nur ein electronischer Vorgang - letzten Endes zwischen den Banken selbst. Weil die Überweisung über SWIFT
angekündigt wird - geprüft, gesichert, bestätigt - erfolgt dementsprechend auch die schnelle Gutschrift.
Ohne SWIFT musste das mit Telefon, FAX, Telegram gemacht werden. SWIFT wurde 1973 gegründet - damals von 239 Banken in 15 Ländern.
Heute sind es über 11000 Banken. Vorher gab es kein SWIFT und trotzdem internationale Zahlungen und internationalen Warenverkehr.
Was ist Swift – und welche Folgen hat der Ausschluss für Russland?
........Was ist Swift?
Grundsätzlich gilt: Swift ist das international wichtigste System zum Austausch von Informationen zu Transaktionen. Können die russischen Banken das globale Finanzsystem nicht mehr nutzen, sind sie quasi von internationalen Geldströmen ausgeschlossen. Geld aus dem Ausland in das Land transferieren wird dann schwieriger, umgekehrt genauso. Das kann Warenströme bremsen, weil Firmen dann nicht mehr in der Lage sind, Importe zu bezahlen oder Einnahmen für Exporte zu verbuchen.
Russland hat eine Swift-Alternative
Allerdings ist Russland auf dieses Szenario nicht unvorbereitet. Die Regierung in Moskau hat nach den ersten Sanktionen im Zuge der Krim-Annexion im Jahr 2014 selbst reagiert und ein äquivalentes Transaktionssystem namens SPFS geschaffen, auf das Banken im Notfall ausweichen können....
https://www.rnd.de/politik/swift-ausschl...XI7EA.html
Am Ende wie schon gesagt macht der Ausschluss aus SWIFT den Zahlungsverkehr schwieriger, kostspieliger und wegen fehlender
Bestätigung, Prüfung wie es dieses mit SWIFT gibt für den Zahlungsempfänger riskanter.
Aber es verhindert keinen Export oder Import von nicht-sanktionierten Waren.
So oder so geht es beim Zahlungsverkehr nur um ein paar Zahlen die hin und hergeschoben werden - ob mit SWIFT oder per FAX,
Telefon, Telegram. Es ist am Ende ein rein elektronischer Vorgang.
Weizen kannst Du nicht beamen oder per FAX, Telefon verschicken. Wenn die Russen Getreide vernichten, Häfen blockieren,
Seewege verminen, den Export verhindern dann gibt es da keine alternativen Wege. Ein Teil auf den man Zugriff hat soll ja jetzt
auch per Zug nach Europa und von dort dann nach Afrika verschifft werden.
Das ist aber defnitiv sehr viel schwieriger und nur in kleinerem Umfang als über den Seeweg möglich und definitiv auch schwieriger
als eine Überweisung ohne SWIFT von Somalia nach Russland zu tätigen.
Das wirklich hirnrissige ist den SWIFT-Ausschluss - letzten Endes die Verkomplizierung eines rein electronischen Vorgangs -
als schwerwiegender darstellen zu wollen als die durch Russland verursachte Verhinderung des Transports von zig Millionen
Tonnen Weizen.
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