(28.01.2020, 09:52)Boy Plunger schrieb: @Kaietan
Wie wäre es mit Tabak, Alkohohl, Cannabis oder gar Rüstungsaktien?!
Das muss alles raus! Gier sollte ihre Grenzen haben!



Die von mir aufgeführten Beispiele waren übrigens nicht ausgedacht sondern basieren auf eigenen Erfahrungen, denn ich arbeite in der Branche. Sollte ich vielleicht nicht schrieben, denn sonst bekomme ich noch den Vorwurf ich würde mich am potentiellen Leid anderer beruflich bereichern... Ich habe in meiner Berufslaufbahn viele tolle Ideen sterben sehen, weil die Investoren sich sehr genau anschauen, wie derartige Unternehmen denn später durch den Markt bewertet werden könnten. Und schlechte Bewertungen heute führen dazu, dass es in 10 Jahren weniger zur Marktreife gebrachte Ideen gibt, weil jetzt und in Zukunft keine Geld da hinein investiert wird. Natürlich kann man dem einzelnen vorwerfen, er wolle sich persönlich bereichern, aber in einem Gesamtsystem, in dem genau dieses Handeln letztendlich die ökonomischen Anreize setzt, aktuelle und auch künftige Geldströme auch in sehr sinnvolle Aktivitäten zu lenken, sollte man sich erst mal überlegen, welche Konsequenzen es denn hätte, wenn das, was man da kritisiert künftig von allen unterlassen würde. Wenn 2020 das Jahr des Wuhan-Virus wird und ich damit auch ein paar Kröten verdient habe, werde ich das natürlich gerne erzählen, denn ich investiere, um Geld zu verdienen. Und ich werde darüber hinaus aufgrund meiner eigenen Erfahrung wissen, dass ich damit den Unternehmen, die sich sinnvollerweise mit diesen Themen beschäftigt haben bzw. künftig beschäftigen wollen, etwas Gutes getan habe.
Ich halte es auch für sehr wichtig, hier über das Thema zu schreiben. Foristen, die sich nicht so sehr mit der Materie befasst haben, sollen verstehen, wo Probleme liegen und was forschende Unternehmen auf diesem Gebiet eigentlich erreichen können. In kaum einen anderen Bereich ist das Interesse von Investoren so überlebenswichtig wie in diesem. Wenn keine Sau in Aktien aus der Containerindustrie investiert, mag das auf lange Sicht dazu führen, dass es mal Engpässe in dem Sektor gibt, die aber mit zeitlichem Verzug wieder behoben werden können. Wenn sich keine Sau für die Unternehmen interessiert, die antivirale oder antimikrobielle Präparate herstellt und wir geraten dadurch in zeitlichen Verzug und eine Krise, kann das u.U. Konsequenzen haben, die nicht so einfach repariert werden können. Fakt ist: Wir leben im Jahr 2020, fassen einen Flug zum Mars ins Auge, sind aber nicht in der Lage, zu simulieren oder zu beurteilen, was genau denn die höchstens 10 sehr übersichtlichen Proteine von 2019-nCoV in unserem Körper bewirken und wie wir dagegen vorgehen können.
@Ste Fan
Das, was du beschreibst, ist das typische Grippeopfer: Geschwächtes Immunsystem (hier durch eine Krebsbehandlung), generell angeschlagen, hält sich im Krankenhaus auf (ganz schlechte Idee!) und wäre evtl. innerhalb eines überschaubaren Zeitraums eh verstorben. Nach allem, was bekannt ist, scheint auch das 2019-nCoV vor allem in älteren Menschen fatale Konsequenzen zu haben. Das war bei den sehr ähnlichen Erregern MERS und SARS auch schon so. Zur Frequenz der Weitergabe (typischerweise berechnet man, wie viele Menschen jeder Infizierte ansteckt) und der durch das Virus verursachten Sterblichkeit gibt es erste Abschätzungen. Die würde ich mal so interpretieren, dass man die Sache in den Griff bekommt. Aber man sollte sich klar machen, dass es nur Abschätzungen auf einer zudem sehr dünnen und z.T. fraglichen Datenbasis sind (was hält China evtl. an Infos zurück?). Sprich: Ich würde mich aktuell nicht für die kommenden 4 Monate in meinen Weinkeller zurückziehen, aber man sollte die Situation im Auge behalten (und die Weinvorräte aufstocken

ABER: Viren können mutieren, ihre Genome können mit denen anderen Viren rekombinieren und auch dieser Outbreak kann dadurch oder durch andere Umstände eine sehr unvorhergesehene Dynamik erhalten. Und es gab schon Grippeepidemien, die aufgrund besonderer Eigenschaften der Erreger, gerade nicht die Alten und Schwachen, sondern die Jungen und Starken wirklich verheerend traf (z.B. die spanische Grippe um 1918). Daher schränke ich das "typisch" von oben gleich auch ein wenig ein.
Gerüchte über die Freisetzungen aus einem Kriegswaffenlabor oder ähnliches halte ich für den typischen Bullshit, der in einer solchen Situation eigentlich immer die Runde macht. Das Problem bei einer Virusinfektion ist, dass es kaum wirksame Medikamente gibt. Die Viren kidnappen oft deine Zellen und benutzen deine körpereigenen Funktionen, die sie durch ihre eigenen wenigen Bausteine zum Teil umprogrammieren. Da gibt es nur ganz wenige Ansatzpunkte für eine effektive Therapie. Zudem können sie sehr schnell mutieren (sich verändern) und ihre Erbinformation umbauen. Du kannst zum Beispiel durch 2 Viren gleichzeitig infiziert werden und in deinen Zellen vermischen sich (bildlich gesprochen) ihre Erbinformationen und heraus kommt ein ganz neues Biest. In 99.9999% völlig ungefährlich, aber weil es so oft passiert reicht die Wahrscheinlichkeit, um den einen bösen Bruder zu generieren.