(29.04.2020, 09:09)cubanpete schrieb: Die Massnahmen waren übertrieben und nützen vor allem den Pharma Riesen.Das ist dann vermutlich auch der Grund, warum Brasilien inzwischen direkt nach den USA und den üblichen europäischen Verdächtigen weltweit führend ist, bei der Anzahl der täglichen Coronatoten (absolut und quotal) und warum Schweden unter allen benachbarten skandinavischen Ländern in jeder Statistik weit vorne liegt? Und das, obwohl es auch in Schweden entgegen der landläufigen Meinung jede Menge Maßnahmen gibt. Alles deutet darauf hin, dass die Maßnahmen genau das bewirkt haben, was sie erreichen sollten: Nämlich die ansonsten ungebremste Ausbreitung des Virus verlangsamen. Ob sie im Einzelfall übertrieben waren, wird man dann sehen, wenn die aktuell durchgeführten Lockerungen nicht dazu führen, dass wir in 4-6 Wochen wieder steigende Fallzahlen haben.
Mein persönlicher Survey des heutigen Tages: (i) BVG Bus gut besetzt, inzwischen 50% der Fahrgäste maskiert. Noch Luft nach oben, aber immerhin besser als gestern. (ii) Im Supermarkt hat heute Morgen ein aufgebrachter Rentner zuerst zwei unmaskierte Altersgenossen angepampt und dann so lange beim Personal insistiert, bis die und eine Gruppe unmaskierter Jugendlicher aus dem Laden komplimentiert wurden. Einwände der Betroffenen, die Masken würden eh nix bringen hat er mit einem donnernden "Ist mir scheissegel, diskutier das mit dem Regierenden! Regeln sind Regeln!" argumentativ hochwertig aus dem Weg geräumt. Der Gute hatte damit bei der beachtlichen Zahl weiblicher Altergenossinnen sichtlich gepunktet und Schritt als Local Hero von dannen

Zurück zum Thema: Pharma hat in der Tat eher von der Krise profitiert. Meiner Meinung nach wird das auch längerfristig so bleiben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Preise von Medikamenten ein großes Thema im US-Wahlkampf sein werden. Die sicherlich anstehende Diskussion darüber, ob Produktionsketten nicht wieder ins Land verlegt werden sollen, um im Krisenfall den Nachschub zu sichern, dürfte sogar Raum für Preiserhöhungen geben. All das sollte einer positiven Entwicklung der Unternehmenszahlen nicht gerade im Wege stehen. Im Einzelfall muss man sich jedoch die Entwicklungspipeline genauer ansehen. So ziemlich jede klinische Studie ausserhalb des Corona-Umfeldes dürfte spätestens seit März zum totalen Stillstand gekommen sein und aufgrund allgemein erhöhter Sterblichkeit in Patientengruppen durchaus auch zu Problemen bei der späteren Auswertung führen. Das kann gut sein für die, deren Produkte schon auf dem Markt sind und schlecht für die, die mit ihren größten Hoffnungen auf der Zielgerade der klinischen Entwicklung standen. Das ein oder andere Biotechunternehmen wird gerade dieser Umstand in sehr große Probleme bringen. Im besten Fall brauchen sie nur deutlich mehr Geld aber schlimmstenfalls wird die teure, laufende Studie komplett wertlos.