(30.06.2020, 13:05)cubanpete schrieb: 1000 Patienten ist ja gar nichts, keine der Zahlen mit so kleiner Datenmenge sagt wirklich etwas aus. Da aber vermutlich die Nebenwirkungen schon ausgiebiger getestet wurden (das Medikament war ja schon für Cholera zugelassen) hätte man während der Pandemie auf die Placebo Probe verzichten können. Sollte der Effekt bestehen so wären 50% weniger gestorben, immerhin 36 Menschenleben. Wenn nicht auch egal weil der Test mit so wenig Leuten praktisch nichts aussagt.1000 Patienten ist eine sehr übliche Größe für eine Phase III Studie und die statistischen Parameter sind so gewählt, dass das Studienergebnis mit einer ziemlichen Wahrscheinlichkeit nicht zufällig entstanden ist, sondern wirklich etwas aussagt. Das Problem scheint hier zu sein, dass die getestete Wirkung "Überleben" nur bei einer kleinen Subgruppe der 1000 Patienten relevant ist.
Wenn du auf den Vergleich zu Placebo (oder idealerweise natürlich ein anderes Medikament) verzichtest, hat die Studie keinerlei Aussagekraft. Denn dann ist der Erkenntnisgewinn gleich 0. Nur wenn du in einer Studie nebeneinander verblindet derartige Therapien miteinander vergleichst, kannst du herausfinden ob die eine einen Vorteil bietet.
Remdesivir war sicherlich nicht für Cholera zugelassen. Da verwechselst du etwas. Es wurde gegen Ebola getestet und hatte keinen nachweisbar positiven Effekt. Für diese Anwednung wurde es auch ursprgl. entwickelt.
(30.06.2020, 13:05)cubanpete schrieb: Der Preis ist vermutlich zu tief um damit Gewinn zu machen. Wenn die Pandemie vorbei ist kann man auch nichts mehr damit verdienen. Gilt auch für eine allfällige Impfung wenn sie dann mal kommen sollte.Da das Medikament ursprgl. mal für die Behandlung von Ebola entwickelt wurde, muss es eigentlich Modelle geben, in denen sich die Vermarktung auch bei relativ wenigen Patienten und niedrigen Abgabepreisen rechnet.
Der aktuell erkennbare Business Case endet in der Tat mit der Pandemie, es sei denn das Virus bleibt, so wie Influenza auch geblieben ist. Aber bei einem nachweisbar wirksamen Medikament wären die Patientenzahlen in dieser Zeitspanne eigentlich ziemlich ordentlich: Die WHO listet aktuell 10 Mio Fälle. Etwa 15% davon erkranken mit erkennbaren Symptomen. Etwa die Hälfte davon schwerer. Nehmen wir mal der Einfachheit halber an, 5% der Infizierten könnten von der Behandlung mit Remdesivir profitieren. Dann waren das bislang 500.000 Patienten gewesen. Der Anstieg pro Tag ist weltweit bei etwa 100.000 Fällen, Tendenz steigend. Die Zahl der behandelbaren Patienten ist absehbar zumindest siebenstellig. Damit kommt man dann auch auf die 2-3 Mrd. Umsatz. Da die Vermarktungskosten hier fast bei null sein sollten (Pharmavertreter, die Remdesivir als Option zur Behandlung von Corona bewerben, werden kaum nötig sein!) und Gilead auch Produkte vertreibt, die nur einen Bruchteil dieses Jahresumsatzes erzielen (über die gesamte Lebenszeit des Produkts also nicht mehr als diese 2-3 Mrd), wäre es schon sehr erstaunlich, wenn sich das nicht rechnen würde. Aber auf hohem Niveau jammern hilft sicherlich ablenkenderweise, wenn man solch einen Preis für ein Medikament mit diesem Effekt aufruft.
