Und wieder ein bisschen Senf:
Inzwischen scheint sich das Narrativ schon wieder ein bisschen zu bewegen. So jedenfalls mein Eindruck.
Die eine Seite (ich nenne keine Namen) bewegt sich in der Diskussion inzwischen mehr und mehr auf den Punkt zu, dass unsere Regierung bei der Beschaffung des Impfstoffes versagt hat. Wobei ich dieser Argumentation explizit nicht alle Plausibilität absprechen will.
Das erinnert mich damals an die Nachrichten über die angeblich nicht notwendigen Masken.
Da wird das Buzzword "Impfnationalismus" aufgegriffen und der Regierung vorgeworfen, das Wohl ihrer eigenen Klienten des eigenen Volks gegenüber "höheren Interessen" zu opfern. Wir berühren hier tatsächlich einen philosophischen Punkt. Betrachtet man die Regierung nur als eine Art "Dienstleister", dem man sein Geld gibt und von dem man eine Gegenleistung erwartet, dann ist der Punkt durchaus stimmig.
Fordert man aber, dass der Staat für Gerechtigkeit sorgen muss, wie der Papst es in seiner Rede im Bundestag getan hat, so ist in der Tat nicht von vornherein klar, ob dabei durch gruppenegoistisches Vorgehen am Besten gedient ist.
Ob es nun faktisch stimmt, dass die Regierung zum Zeitpunkt der Bestellung mehr hätte einkaufen können, aber aus altruistischen Motiven verzichtet hat?
Ich möchte an der Stelle nur festhalten, dass das Wort "Impfnationalismus" in der Tat von unserer Regierung selbst kam. Man kann damit durchaus gewisse Rückschlüsse auf das Denken der Äußernden ziehen.
Könnte es sein, dass man hier an einer Stelle irgendwelche Diskurse (nennt man das so?) befeuern will, die man an anderer Stelle...? Ich breche ab.
Auf der anderen Seite haben wir Leute, die für den Kampf gegen Corona vorschlagen - welch Überraschung - den Kapitalismus abzuschaffen.
Es ist ja der steigende Wohlstand der Menschen, der zu Globalisierung geführt hat und deshalb brechen solche Seuchen aus. Ich habe mal gelernt, dass schon lange vor der Globalisierung Seuchen ausgebrochen sind, die schwarze Pest im Mittelalter etwa. Anscheinend scheinen manche Leute in einem Weltbild zu leben, indem die Menschen quasi "von Natur aus" völlig isoliert voneinander leben und nur der böse Kapitalismus bringt sie zusammen.
Ab und an hört man die Behauptung, dass unser Umgang mit der Natur schuld an Corona sei und dass es wegen dem Klimawandel oder so zu Corona kam.
Man geht zwar davon aus, dass viele Krankheiten erstmals durch die Domestizierung auf den Menschen übergingen und aktuellen Theorien nach ist Corona wohl wirklich ein Virus, dass vom Tier auf den Menschen überging. Dennoch halte ich die Argumentation für mehr als löcherig.
Ein hartes Argument hat diese Gruppe allerdings. Wer den Lockdown ablehnt, weil er der Wirtschaft schadet, dabei aber gleichzeitig davon ausgeht, der Lockdown würde wirklich Menschenleben retten, der stellt in der Frage die Wirtschaft wirklich über Menschenleben.
Fazit für mich ist, dass die ideologischen Fronten sich jetzt richtig verhärtet haben. Es kommt praktisch nicht mehr darauf an, wie der Sachverhalt sich grade darstellt, man weiß schon sicher, auf welcher Seite man steht.
(15.01.2021, 09:23)Praeriebaer schrieb: Nö, es kommt darauf an, wie häufig das virus vor der mutation weitergegeben wurde.
Kannst du das bitte erklären?
Praeriebaer schrieb:Wenn ne einzige Persön ne Million Leute persönlich ansteckt, ist das Mutationsrisiko fast null. wenn 1 Million Leute jeweils nur einen angesteckt haben, und der dann wieder einen als lange Kette, ist das Mutationsrisiko fast 100%
Menschliche Zellen haben bestimmte Mechanismen, um sicherzustellen, dass das Erbgut nicht mutiert. Wir befinden uns hier auf einen Gebiet, das Gegenstand auch aktueller Forschung ist.
Ich frage mich grade, ob Viren von diesen Mechanismen bei ihrer Replikation auch gebrauch machen?
Das Erbgut der Viren kann sich theoretisch ja auch außerhalb einer Zelle, sogar außerhalb des menschlichen Körpers, verändern. Beispielsweise weil durch umwelteinflüsse das Erbgut beschädigt wird. Die meisten dieser Mutationen dürften sich schädlich auf das Virus auswirken.
Wenn wir davon ausgehen, dass die Mutationswahrscheinlichkeit für das Virus bei jeder Replikation gleich bleibt, dann würde eine Person, die eine Millionen ansteckt, in der Tat auch einige mutierte Varianten enthalten.
Eine Person, die sich aber schon mit einer mutierten Variante angesteckt hat, verbreitet nur diese und Mutationen auf Basis dieser Variante.
(15.01.2021, 09:31)Kaietan schrieb: Na wenn du das Prinzip kennst, dann weisst du sicher auch, dass prinzipiell jeder immer schon phne Peer-Review seine Erkenntnisse raushauen konnte. Per Website, Vortrag oder Poster auf Kongressen. Ist also nicht unüblich.
Klar geht das. Es stellt sich nur die Frage, wie sehr das in der wissenschaftliche Community ernst genommen wird.
Kaietan schrieb:Einen Überbick über die Impfstoffprogramme gibt zum Beispiel die WHO: https://www.who.int/publications/m/item/...e-vaccines
Mal gucken, wann ich lust dazu finde, es zu lesen.

(15.01.2021, 15:42)jf2 schrieb: Das ist aber eine individuelle Sache. Bei mir z.B. entsteht dieser Eindruck nicht.
Naja, ich habe explizit geschrieben, dass es ein subjektiver Eindruck ist und keinerlei Beweiskraft oder sowas hat.
Nur werde ich den Verdacht nicht los, dass da was dran sein könnte.